Pressing

Der Begriff Pressing taucht seit kurzem vor allem in europäischen Veröffentlichungen auf. Besonders im italienischen, spanischen und französischen Bereich hat er sich für eine Form der gezielten Stresserzeugung eingebürgert, die sich von den bekannten Formen der Unterdrucksetzung wie Mobbing oder Bossing unterscheidet.

Während bei Mobbing beeinträchtigende Handlungen gegen ein Individuum oder eine Gruppe von mehreren gleichrangigen Personen ausgeübt werden und beim Bossing der Druck von hierarchisch vorgesetzten Individuen ausgeht, beschreibt Pressing die Unterdrucksetzung durch Institutionen oder anonymisierte Massnahmen, die keiner Person direkt zugeordnet werden können.

Das in England beschriebene neu benannte Krankheitsbild der „bankophobia“, also übersetzt der phobischen Angst vor Geldinstituten, meist einhergehend mit Angstsymptomen, psychosomatischen Angstäquivalenten wie Unruhe, Herzklopfen, Schlafstörungen und Bluthochdruck, stellt eine Reaktion dar, wie sie z.B. bei Unterdrucksetzungen durch Banken, Finanzbehörden oder Gläubigern entsteht und beschreibt daher eine spezielle Form der Krankheitsentwicklung durch Pressing.

Es geht hier nicht mehr nur um das leicht unterschätzte „small t“ Trauma, wie die Psychotraumatologie fortgesetzte Alltagstraumatisierungen im Gegensatz zu schweren existenzbedrohenden Traumata oder komplexen Traumatisierungen genannt hat.

Das Pressing vereint in seinen Auswirkungen Anonymität und fortgesetzte, erholungslose Einwirkung, in seiner Auswirkung für die Betroffenen meist auch verbunden mit der Bedrohung mindestens der sozialen oder beruflichen Existenz. Es erfüllt dadurch alle Voraussetzungen zur Erzeugung einer akuten Belastungsstörung oder in der Folge einer posttraumatischen Belastungsstörung.

aus: Pressing - ein neuer Begriff beschreibt eine Unterform der Traumatisierung -
von Barbara-Rose Legeler